Meine Erlebnisse in China im Januar 2011
Mo
10
Jan
2011
Weihnachten, Neujahr, Harbin und Halbzeit!
Da jia hao!
Es ist echt schon ewig her, dass ich mich hier nichtmehr gemeldet habe. In der Zwischenzeit lag halt Weihnachten und Neujahr und ich hatte ziemlich viel zutun, auch wenn's in China nicht so wie
in Deutschland gefeiert wird. ;)
In der Zwischenzeit ist verdammt viel passiert. Mittlerweile ist die Halbzeit meines Auslandsjahrs erreicht, was echt ein merkwuerdiges Gefuehl ist. Mein Chinesisch ist gut genug fuer eigentlich
alles im Alltag, aber vor allem lesen und schreiben kann ich noch nicht sehr viel, daher bin ich jetzt mal gespannt auf die naechsten fuenf Monate.
Mitte Dezember war ich auf eine Geburtsfeier von einem Familienfreund eingeladen. In China feiert man die Geburt eines Kindes mit einem riesigen Essen in einem Restaurant. Es waren mehrere
hundert Gaeste da, die oft nur ganz entfernte Bekannte waren, aber so ist das in China bei ganz vielen Feiern. Ich war aber trotzdem der einzige Gast auf der Feier und so kam es dann, dass
insgesamt ca. 30 Leute zu mir kamen, denen ich mich dann vorstellen durfte. 30 mal wurde ich dann auch so ungefaehr fuer mein Chinesisch gelobt. Das ist zwar nicht erst seit diesem Monat so, aber
ich finde es doch immernoch ziemlich erstaunlich, wie sehr die Chinesen einen loben. Das ist immernoch ziemlich ungewohnt. Die Chinesen sind aber einfach unglaublich freundlich. Letztens hat ein
Taxifahrer von mir ein 20 Cent-Stueck gekauft und gesagt, dass er sich das zu Hause einrahmt. Er hat aber darauf bestanden, mir das passende Geld in Yuan zu geben.
Am naechsten Tag sind wir mit meinem Gastopa zusammen essen gegangen. Meine Familie hat jetzt vermehrt Kontakt mit ihm, da seine Frau (und meine Gastvaters Mutter) gestorben ist, um ihn zu
helfen. Meine Familienmitglieder traegen jetzt oft an ihrer Kleidung ein schwarzes Schriftzeichen, das die Trauer symbolisieren soll.
Da mein Gastopa ein wenig auf dem Land lebt gab es da etwas, das es in der Stadt nicht so haeufig gibt: Hundefleisch
Neben diesem Gericht gab es dann noch Raupen, Huehnerkopf aber natuerlich auch normale Sachen. Die Raupen habe ich ja schon in Beijing gegessen, aber vor allem Hundefleisch war neu fuer mich. Es
schmeckte nicht wirklich interessant. Die Chinesen essen das meistens kalt und mit Chilisosse. Es schmeckte ein bisschen wie Rindfleisch und sah auch aehnlich aus. Mein Lieblingsgericht wirds auf
jeden Fall nicht ;)
Huehnerkopf (und Gehirn) ist aber ganz lecker.
Ansonsten ist vor Weihnachten nichts passiert. In Tangshan war fuer ungefaehr 3 Tage kompletter Stromausfall. Die Haeuser hatten alle Strom aber auf der Strasse war es morgens und nachts komplett
dunkel. Auch die Schueler, die bis spaet in die Nacht hier Unterricht haben, sitzen bei Stromausfall oft mit einer Kerze an ihrem Pult..
Mittlerweile hatte ich in China meine erste Lebensmittelvergiftung. Ich glaube das macht jeder Austauschschueler hier einmal durch ;) Ich war aber nur einen Tag nicht in der Schule, da die
Lehrerin mich beinahe stuendlich angerufen hat und gefragt hat obs mir besser geht. In Deutschland bleibt man bei einer Erkaeltung oft mal eine Woche zu Hause. Chinesische Schueler sind aber
irgendwie immer in der Schule. Es hat noch nie einer unserer Mitschueler gefehlt fuer einen Tag.
Dann kam Weihnachten!
Weihnachten in China ist nur etwas mehr als fuer uns in Deutschland Halloween oder Valentinstag. Ein kommerzieller Feiertag, an manchen Geschaeften steht ein Weihnachtsmann und das wars dann aber
auch.
In Tangshan gibt es aber eine Kirche und auch garnicht so wenige Christen. Was mich aber ziemlich genervt hat ist dass meine Lehrerin darauf bestanden hat, dass wir an Heiligabend zu Hause
bleiben, da in der Kirche ja so viele boese Menschen, besonders am 24. und 25. Dezember, sind.
Ich habe mich schon gefragt, was die Schule bitte in meine Freizeit (das tut sie aber sowieso staendig) und meinen Glauben hineinzupfuschen hat, aber irgendwie habe ich mich auch schon
drangewoehnt.
Ich habe an Heiligabend dann fuer meine Familie Deutsch gekocht und einen kleinen Plastikweihnachtsbaum aufgestellt, der mit Lichterkette und Schmuck gerade mal 5 Euro gekostet hat. Auch wenn in
Deutschland der 24. Dezember ja wichtiger als der 25. ist, war erst der 25. so richtig weihnachtlich:
Ein Weihnachtsfest mit Australiern, Italienern, Chinesen und Englaendern
Die australischen Englischlehrer an unserer Schule haben uns eingeladen, ueber Weihnachten zu ihnen zu kommen. Sie leben zwar in der Schule aber haben ein ziemlich schoenes Appartment. Wir haben
dann zusammen gekocht, Karten gespielt und ueber das Fest in unseren Laendern geredet. Spaeter kam dann noch ein Englaender und eine chinesische Bekannte vorbei. Das war also so ziemlich das
internationalste Weihnachtsfest, das ich je hatte ;) Mir hats echt gut gefallen und wir haben jetzt eine ziemlich gute Beziehung zu den Australiern und ich verallgemeiner mal, wie ich es auch bei
den Chinesen oben gemacht habe, dass Australier ebenfalls super freundlich sind!
Zwischen Weihnachten und Silvester liegt ja bekanntlich nicht soviel Zeit. Und diese eine Woche habe ich dann - wie fast jede Woche hier - mit Schule verbracht. In dieser einen Woche ist nicht viel passiert, bis auf 2 Dinge, die mich wirklich faziniert haben.
1.: Chinesen (vor Allem Frauen) treffen sich selbst bei eisigen Minusgraden draussen auf der Strasse um zu Musik zu tanzen.
2.: Ich bin einmal an einer Bank vorbeigegangen, vor der ein Geldtransporter und ca. 8 bis an die Zaehne bewaffnete Aufpasser standen. Die hatten wirklich Maschinenpistolen und sahen sehr grimmig aus. Als sie mich jedoch sahen – ich guckte sie etwas entgeistert an, weil ich diese „Sicherung“ von Deutschland etwas dezenter kenne), fingen sie an zu grinsen und tuschelten „Waiguoren!“ – Ich sagte freundlich Hallo und was folgte war ein abgewandelter Dialog wie der, den ich bereits geschrieben habe. Ich glaube ich haette die Herren um ein Foto bitten koennen und sie haetten ja gesagt.
Dann kam auch schon Sylvester. Ueber Neujahr wurde uns zum Glueck eine 3-taegige Reise nach Harbin erlaubt, was wirklich ziemlich cool war.
Cool war's wirklich, denn in Harbin war es oft -30 Grad.
Da unser Zug etwas Verspaetung hatte und es im Hotel noch ein paar Probleme mit der Organisation meines Zimmers gab, kamen wir als letzte an einer russischen Bar an, um Neujahr zu feiern. Ausser ein paar betrunkenen Russen war da aber nichts weiter los ;)
Harbin ist aber wirklich eine tolle Stadt! Wir waren bei der Sophia-Kirche (die eigentlich garkeine Kirche sondern innendrin nur ein Museum ist), beim Eisfestival, sind Schlittenrennen gefahren, ich habe einen Haufen russisches Zeug gekauft und waren Eislaufen.
Die Zeit in Harbin war wirklich toll, verging nur leider viel zu schnell. Kurz danach fingen aber auch schon die Fruehlingsfest-Ferien, die noch bis Mitte Februar gehen.
Ich musste leider nochmal meine Familie wechseln, da die Frau meines Gastopas gestorben ist und er wegen seiner Gesundheit in unsere Wohnung ziehen wollte. Also war kein Platz mehr fuer mich. Ich lebe jetzt fuer einen Monat in einer anderen Familie. Nur fuer einen Monat, da mein Gastbruder in der Schule wohnt und wir relativ weit entfernt vom Stadtzentrum leben. Was ziemlich gut ist, ist dass mein Gastbruder im August selbst fuer ein Jahr ins Ausland mit AFS geht - naemlich nach Deutschland! Darum fragt er mich jetzt jeden Tag Loecher in den Bauch ueber deutsche Kultur, wir lernen jeden Tag Deutsch zusammen und wir gucken gemeinsam deutsche Filme.
Wenn ich zurueck nach Deutschland gehe kann ich wirklich sagen, dass ich Erfahrung als Deutschlehrer habe ;)
Ansonsten habe ich jetzt das Ergebnis meines HSK-Tests: Ich habe das 4. Level bestanden und habe jetzt das Zertifikat fuer Sprachniveau B2 in Chinesisch.
Die Ferien gehe ich eher ruhiger an, worauf ich mich aber sehr freue ist unsere Reise nach Guangdong Anfang Februar, von der ich berichten werde. Das ist fuer mich das erste Mal,dass ich in den Sueden komme. Mein Bruder und ich lernen bereits ein paar Brocken Kantonesisch. :)
Bis dahin,
再见!
China - Ein Jahr in 7800 Kilometern Ferne