Meine Erlebnisse in China im November 2010

Mi

24

Nov

2010

Anderthalb Gastfamilienwechsel, Klassenkampf ums Seil und Mutterschutz in China

Da jia hao,

 

 

 

Wieder dauert es etwas laenger mit meinem zweiten Blogeintrag. Ich schaetze, dass ich jetzt am Anfang und Ende jeden Monats einen schreiben werde und diesen Rhythmus beibehalten werde.

 

Viel ist nicht passiert in der Zwischenzeit leider, da halt Schulzeit ist.

Der Schulalltag ist zwar nicht wirklich schlimm und hilft meinem Chinesisch natuerlich weiter.

Mittlerweile kann ich eigentlich aus alltaeglichen Texten den Sinn ohne Probleme entnehmen, auch wenn manchmal noch 2 oder 3 Schriftzeichen neu fuer mich sind. Ich lerne jetzt jeden Tag 50 Schriftzeichen und bereite mich auf mein Chinesischexamen im Dezember vor.

 

Trotz allem kommt mir das ewige morgens 5:45 aufstehen, Abends 6 Uhr zurueckkommen mittlerweile wie ein ewig gleicher Ablauf  vor, der mich manchmal etwas verrueckt werden laesst. ;)

Ich hoffe das aendert sich noch und ich freu mich sehr sehr auf die Ferien, die aber leider erst Ende Januar haben.

 

 

 

Es gibt aber auch ein paar echt coole Sachen wie zb. ein Tauziehwettbewerb, bei dem wir einen ziemlich guten Platz belegt haben  - 4. von insgesamt 6 Klassen. :D  - Die Fotos und davon - und noch andere Fotos - habe ich schon hochgeladen.

 

Ebenfalls sehr gefaellt mir ein neues Unterrichtsfach in unserer Schule: Pekingoper! Jeden Mittwoch haben wir eine Stunde Unterricht. Wir tragen die entsprechende Kleidung und bekommen beigebracht, wie wir unsere Mimik wie versteinert wirken lassen koennen und auf chinesisch Oper gesungen wird. :D Siehe Fotos. - Und ja, das was ich dort trage ist hier in China die Kleidung fuer den maennlichen Saenger in der Pekingoper ;)

 

Ansonsten ist noch was ziemlich grosses passiert: Ich habe meine Gastfamilie gewechselt, da es mit meinem aelteren Bruder (27) in meiner alten Familie sehr sehr viele Probleme gab, wir uns oft gestritten haben und das ganze irgendwann echt Ausmasse angenommen hat, die ich echt zu viel fand. Ich konnte mit ihm leider nicht reden, da er selbst von sich sagt, dass er sehr stur ist und er sich nicht aendern wuerde. Ausserdem hat meine Gastmutter ziemliche gesundheitliche Probleme, die erst vor kurzer Zeit gekommen sind, sodass sie nichts dagegen hatte, dass ich die Gastfamilie wechseln wollte.

Es ist aber in sofern keine grosse Veraenderung meines Lebens hier, da meine neue Familie genau 5 Minuten zu Fuss von meiner frueheren entfernt lebt und ich mich fast jedes Wochenende mit meiner alten Gastfamilie treffe. Und auch sowieso bin ich hier ja fast den ganzen Tag in der Schule. Die 4 Stunden am Abend verbringe ich mit Abendessen, Lernen und Schlafengehen.

Meine neue Gastfamilie ist aber wirklich sehr sehr nett. Mein kleiner Bruder (auch 12) ist wirklich klasse und - um ehrlich zu sein - ein ziemlicher Gegensatz zu meinem vorigen, der manchmal ein ziemlicher Kotzbrocken war. Meine Gasteltern sind auch sehr nett und ich fuehle mich ziemlich wohl in der neuen Gastfamilie. Ich lebe aber halt erst seit einer Woche hier, wovon bisher alles Schultage waren, daher kann ich noch nicht so viel darueber schreiben.

 

Im Moment ist es Wochenende - und ich bin schon wieder in einer anderen Familie. Diesmal kein Gastfamilienwechsel ;) . Dieses Wochenende befinde ich mich in der Familie einer Arbeitskollegin meiner Mutter. Ansonsten sind hier noch ihr Ehemann (die beiden sind 28), ihre Eltern und ein 8 Tage altes Baby.

Ich bin hier fuer dieses Wochenende, da die Mutter meines Gastvaters vor 2 Tagen im Krankenhaus gestorben ist, und sich meine Familie Zeit nehmen muss fuer die Formalitaeten und da sie mir (ich bin nach einer Woche ja immer noch eher ein Gast) verstaendlicherweise ihre erste Trauer nicht so zeigen wollen.

 

Ich hab damit kein Problem und fuehle mich in dieser provisorischen Unterkunft ebenfalls sehr wohl. Ich war heute auf einer Hochzeit auf dem Land, was echt interessant war. Dort sitzen Maenner und Frauen getrennt, es wird verdammt viel geraucht und interessantes Zeug gegessen. Ich hab heute Schweineohren gegessen, was ich aus Deutschland nur als Hundefutter kenne.

 

Gestern habe ich was ziemlich heftiges erlebt, was in die Kategorie kulturelle Unterschiede faellt - die Arbeitskollegin meiner Mutter steht im Moment unter chinesischem Mutterschutz - fuer einen Monat, wie es sich hier gehoert. Was sie in dieser Zeit aber alles nicht machen darf ist ziemlich heftig! Wenn man in China ein Kind bekommt darf man fuer einen Monat lang nicht:

 

- Duschen (Haare waschen ebenfalls nicht)

- Aus dem Haus gehen

- Kaltes trinken oder essen

- Fernsehen gucken

- Computer benutzen

- Aufraeumen etc..

 

Gestern Abend beim Abendessen, wurde ihr nicht mal erlaubt ein Stueck Wassermelone zu essen. Und als sie heute morgen zum Arzt wurde, hat sie ihre Mutter zusammen mit 3 Freundinnen (die alle den ganzen Tag vor Ort sind um ihr zu helfen) eingepackt, sodass sie wie ein Michelinmaennchen aussah. Mehrere Hosen, 4 Jacken und 2 Mundschutzmasken musste sie tragen, ehe sie nach draussen durfte..

 

 

Das Wetter hier wird langsam winterlich. Es sind jetzt morgens minus 5 Grad. Im Dezember soll es dann runter auf bis zu minus 15 gehen. Mir macht das nichts aus, da ich ja nun auch nicht gerade aus einem sehr warmen Land komme, aber fuer die Chinesen komme ich praktisch aus Brasilien oder Suedafrika. Jeden Tag werde ich mehrmals gefragt, ob mir denn nicht kalt sei, wenn ich mit Tshirt und Schuluniform rausgehe. Es ist echt nicht so kalt, aber die Chinesen tragen gerne mehrere Jacken uebereinander, 2 Hosen und dann am Besten noch 3 paar Socken.

 

Was richtig krass ist, ist der Nebel hier. Ich habe noch nie so viel Nebel gesehen. Vor Allem morgens kann ich manchmal nicht weiter als 3 Meter schauen, auch davon habe ich ein paar Fotos hochgeladen.

 

Ansonsten gibts nichts neues - ich freue mich auf naechstes Wochenende, wo ich nach Beijing gehen werde und endlich mal wieder was Deutsches essen werde, das vermisse ich hier naemlich ziemlich!

 

 

Bis dann, Zaijian

 

纪睿

 

 

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So

07

Nov

2010

Examen, Schulalltag und ein Besuch von Englaendern

Da jia hao!

 

 

Nach einer ziemlich langen Zeit melde ich mich wieder zurueck aus China.

Ich bin im Moment ziemlich beschaeftigt, da ich jeden Tag fuer meinen bevorstehenden B2 Chinesischtest anfang Dezember lernen muss.

 

Waehrend der Schulzeit laesst meine Familie mich nicht gerne den Computer benutzen, da danach meistens auch mein Gastbruder am PC spielen will. Manchmal sage ich dann, dass ich meiner deutschen Familie und Freunden gerne eine Email schreiben wuerde, aber meine Familie versteht nicht, wieso ich das tun moechte. Auch die Reisefreiheit ist hier ein Problem. Waehrend eigentlich alle anderen Austauschschueler in China ohne Probleme mit vorheriger Absprache mit Lehrern und Eltern fuer einige Zeit verreisen koennen, ist es uns beiden Austauschschuelern in Tangshan nicht moeglich, da die Schule das erste Mal am AFS-Programm teilnimmt und daher auf Sicherheit besonderen Wert legt.

 

Das mit der fehlenden Freiheit nervt mich hier schon manchmal, aber ansonsten bin ich hier sehr gluecklich.

 

Mit meiner Gastfamilie verstehe ich mich immernoch richtig gut und wir planen schon meine Rueckkehr nach China, wenn ich meine Schule in Deutschland beendet habe.

Auch wenn ich es etwas uebertrieben finde, dem Sohn einen iMac zu schenken, weil er eine Pruefung gut bestanden hat, und dass mein Vater sich jetzt demnaechst einen Drittwagen zulegt (einen BMW), fuehle ich mich wie zu Hause in meiner Familie und will noch garnicht daran denken, irgendwann wieder zurueck nach Deutschland zu muessen.

 

Die Schule hingegen in China ist aber schon echt heftig. Mittlerweile freue ich mich riesig darueber, wenn Freitag ist und ich den letzten Schultag der Woche hinter mir habe. Es ist unglaublich anstrengend jeden Tag zu solchen Zeiten Unterricht zu haben. Ich glaube, wenn ich wieder nach Deutschland zurueckkomme werde ich mich um halb zwei oder wann der Unterricht halt endet nur fragen: ''Das wars schon...?!'' :D

 

Der Unterricht hier ist echt sehr anders von dem in Deutschland. Wenn Schueler zwei Minuten zu spaet zum Unterricht kommen, muessen sie den Rest der Stunde stehen bleiben und werden dazu verdonnert, die Klasse zu fegen. Ich glaube das gibt es in Deutschland so nicht ;)

 

 

Vor kurzem kam eine Gruppe von englischen Austauschschuelern an unsere Schule, was eine ziemlich angenehme Abwechslung war, da wir mit denen zusammen Unterricht haben sollten und somit - waehrend wir eigentlich Unterricht gehabt haetten - zu Porzellanfabriken, zur wundervollen chinesischen Mauer (ich war jetzt schon drei mal auf ihr, aber jedes Mal ist es immer wieder ein absolut ueberwaeltigendes Gefuehl!) von Tangshan, die mir bisher am besten gefallen hat (Fotos schon hochgeladen).

Jedem, der mal nach China zum Reisen oder fuer einen Austausch geht, kann ich echt nur ans Herz legen, die chinesische Mauer zu besuchen! :)

 

Wir beiden Austauschschueler fuehlten uns nach der Ankunft der Englaender garnicht mehr als Auslaender, sondern viel mehr als alte (chinesische) Hasen. Die Englaender konnten halt kein Wort Chinesisch und wurden auch sonst nicht mit dem chinesischen Schulalltag konfrontiert. Wenn sie mittags in die Kantine gegangen sind, bekamen sie Essen aus speziellen Behaeltern mit besseren Gerichten, waehrend wir das Chinesen-Essen bekamen.

 

Ausserdem habe ich einmal einen Spiegel vorgehalten bekommen, wie wir Europaer wirken. Ich empfand die Englaender in den ersten Tagen als ziemlich kalt - es kam fast keiner auf uns zu. Das hat sich erst in den naechsten Tagen gebessert. Wohingegen Chinesen dich mit ihrer unglaublichen Gastfreundlichkeit fast erdruecken!

 

Trotzdem war es eine willkommene Abwechslung zum chinesischen Schulalltag, mit den Englaendern gemeinsam Trips zu unternehmen und mal aus der Schule rauszukommen.

 

Wenn ich daran denke, dass ich bis Anfang Februar ohne Unterbrechung nun Schule habe wird mir echt ein wenig schwummrig, aber das werd ich schon irgendwie ueberleben.

 

 

Ansonsten freue ich mich ziemlich darauf, Anfang Dezember nach Peking fuer den Chinesischtest zu gehen und dann in ein deutsches Restaurant zu gehen! Das chinesische Essen ist zwar unglaublich abwechslungsreich und interessant (Fischaugen, Schildkroete und viele andere Dinge..), aber ein wenig vermisse ich deutsches Essen schon. Was mich hier in China ziemlich ueberrascht hat, ist die Einstellung zum Tierschutz. Die Menschen hier sind ueberhaupt nicht zimperlich. In fast jedem Supermarkt kann man lebende Fische kaufen, die entweder im Laden oder zuhause dann selbst getoetet werden. Krebse werden lebend ins kochende Wasser geworfen und ich wurde ratlos angeschaut als ich sagte, dass in Deutschland viele Menschen es nicht besonders moegen, einen Fisch selbst auszunehmen. Mein Vater bringt oefters mal selbstgeangelte Fische mit, manche ueber 10kg schwer, die er dann stolz hochhebt und mich bittet, ein Foto zu machen. ;)

 

 

Bis dahin und liebe Gruesse ins kalte Deutschland (hier ist es mal eiskalt, dann wieder sommerlich, dann mild, dann eiskalt),

 

 

 

Zaijian!

 

 

 

 

 

 

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