Meine Erlebnisse in China im Oktober 2010
Fr
01
Okt
2010
中秋节, Sportfest und Nationalfeiertag
Da jia hao,
Nach dem Mitt-Herbst-Fest (中秋节), das letzten Mittwoch in ganz China stattgefunden hat melde ich mich zurueck mit einigen neuen Eindruecken aus China.
Das Mittherbstfest ist ein beliebtes Fest in ganz China. Man trifft sich mit der Familie und isst gemeinsam, wobei Yuebing (Mondkuechlein) nicht fehlen duerfen. Wir sind an diesem Tag zur Stahlfirma meines Vaters an die Kueste gefahren (1,5 Stunden Autofahrt und es gehoert immernoch zu Tangshan!) und sind zu einer Insel gefahren, auf der wir einen buddhistischen Tempel besucht haben (Fotos schon hochgeladen), was ziemlich interessant und sehr schoen war.
Mit meiner Familie verstehe ich mich bestens, es koennte garnicht besser sein. Meine Mutter und mein Vater nennt mich Erzi (Sohn), mein grosser Bruder und meine Schwester Dadi oder Laodi (groesster kleiner Bruder oder Alter kleiner Bruder), mein kleiner Bruder nennt mich Erge (zweitaeltester Bruder - oder einfach nur ein englisch ausgesprochenes Gereon, da er immer Englisch sprechen will). Der Sohn meiner Schwester ist Waisheng. Der Ehemann meiner Schwester ist Jiefu. Meine Oma muetterlicherseits ist Waipo, vaeterlicherseits allerdings Nainai.
Und unsere Hausangestelle ist Aiyi (Tante)
Ich bin sehr froh in dieser Familie leben zu duerfen und ich habe hier noch nicht einen einzigen nicht schoenen Tag erlebt. Die Familie ist einfach unglaublich freundlich, es ist immer jemand im Haus da meine Mutter nicht arbeitet und mein grosser Bruder abwechselnd arbeitet und abwechselnd zuhause lernt.
Kulinarisch hat sich ueber das Mittherbstfest einiges getan, was bis heute anhaelt: Irgendwie isst hier jeder Fisch und andere Meerestiere. Wir essen jeden Tag Garnelen, Krebse und Fisch - ich habe mal nachgefragt was so ein Krebs pro Stueck kostet. Danach ist mir echt ein wenig die Lust vergangen: 180 Yuan, 20 Euro.
Ansonsten habe ich mich aber auch sonst mit der noerdlichen Kueche angefreundet. Ich mag dieses ganze typische Baozi,Jiaozi,Mantou-Zeug mittlerweile verdammt gerne (Ersteres gekochte Teigtaschen, zweites gedaempfte Teigtaschen, drittes gedaempftes Brot). Aber am besten schmeckt mir Reiskuchen (Miangao), den wir immer im suedkoreanischen Restaurant essen. Gut, das ist dann zwar nicht chinesisch aber trotzdem asiatisch. Meine Mutter und ich wollen beide gerne mal nach Suedkorea und als sie das gleiche von mir hoerte fing sie sofort an von Flugtickets zu sprechen. Naechstes Jahr will sie dort wohl vielleicht mit mir hinfliegen. Ansonsten gehts fuer uns naechstes Jahr im Sommer in die innere Mongolei, worauf ich mich sehr freue. Heute fahren wir erstmal eine beschaulichere Strecke von Tangshan nach Cangzhou, wo wir die Familie von meinen Eltern, die beide aus dieser Stadt stammen, treffen.
Gestern und vorgestern hatten wir zwei Tage lang keine Schule sondern das Herbstfest, bei dem wir uns draussen direkt auf dem Sportgelaende getroffen haben. Dort hat jede Klasse vor den Augen der fast gesamten Lehrerschaft ihr Marschieren vorgestellt und einige Leute aus den Klassen haben an Wettkaempfen teilgenommen. Einen Tag vor dem Sportfest hat unser Mathelehrer (bei dem ich aber keinen Unterricht habe), der auch Sportassistent ist, mich gefragt ob ich nicht die Flagge halten moechte und an der Spitze marschieren will. Ich hab ja gesagt und war natuerlich ziemlich aufgeregt deswegen. Leider hatte ich am naechsten Morgen nur 30 Minuten Zeit zu proben, da ich zuhause keine 5 Meter lange Flagge habe. Ich selbst fand mein Marschieren nur ok, der Schulleiter hat uns aber zur besten Klasse gekuert - Auslaenderfaktor.
Als der Schulleiter zu unserer Klasse kam und gesagt dass wir alle gut waren, hat er gefragt "Wer ist der beste Flaggentraeger?" - und alle haben meinen Namen gebruellt. Wieder der Auslaenderfaktor. Ein Chinese waere fuer diese schlappe Leistung erstmal auseinandergenommen worden. Aber ich bin natuerlich froh, dass es den Lehrern gefallen hat und werde es beim naechsten Sportfest wohl wieder machen. Die Flagge war uebrigens nicht die Nationalflagge, sondern unsere Klassenflagge - ist aber trotzdem tiefrot.
Meine Mitschueler sind alle total freundlich. Mit 3 von ihnen bin ich mittags auf einem Zimmer und ich verstehe mich mit allen sehr gut.
In einer Woche ist mein Geburtstag. Wir wollen gemeinsam in die Karaokebar gehen und meine Eltern wollen ne grosser Torte kaufen. Ist also eher westlich, worueber ich auch ganz froh bin. Im traditionellen China feierte man den Geburtstag nur mit dem Essen von langen Nudeln (die man nicht durchbeissen darf, um das Leben nicht zu verkuerzen)
Nachtrag:
Im Moment befinde ich mich in Cangzhou. Die Stadt gefaellt mir sehr, auch wenn es eher eine kleine Provinzstadt ist. Die Familie meiner Eltern lebt auf dem Land (Nongcun), weswegen ich endlich mal nicht staendig gehupe hoere.
Wir sind heute in den Stadtkern von Cangzhou gefahren und haben eine Automesse besucht, da sich der grosse Bruder meines Vaters ein neues Auto kaufen will (obwohl sein Wagen 1 Jahr alt ist und bereits ein Oberklasse-Wagen ist). Ich bins zwar gewohnt, dass mich viele anstarren weil ich Auslaender bin, aber ich wurde dann doch ueberrascht: Ein Kamerateam war vor Ort und hat jeden meiner Schritte auf dieser Automesse gefilmt und mich auf Englisch interviewt. "Woher wissen Sie von dieser Messe?" "Welches Auto wuerden Sie kaufen?" "Wie finden Sie die Autos?"
Das Problem war dass ich erst seit 2 Minuten auf dem Messegelaende war und mir fast garkein Auto genauer angeschaut habe. Ich habe dann auf irgendeinen Jeep gezeigt und von den Vorzuegen eines Gelaendewagens geredet, auch wenn ich davon nicht sehr viel Ahnung habe.
Danach sind wir zu einem historischen Ort in Cangzhou gefahren, da die Stadt fuer Kung Fu und eine bestimmte Loewenstatue beruehmt ist. In einem Tempel dort war ein Mann, der sagte er koenne nur durch einen Blick auf meine Handflaeche meinen Geburtsmonat bestimmten, womit er auch recht hatte. Er hat auf die Handflaeche geschaut, den Zettel geschrieben, ihn vor mir hingelegt und mich gefragt ob er reicht hat. Eigentlich bin ich skeptisch was sowas angeht, aber die Tatsache dass der Grossteil der Chinesen daran glaubt und solchen Personen hohen Respekt entgegenbringen, hat mich dann doch beeindruckt.
Morgen oder uebermorgen (Chinesische Ungenauigkeit/Kurzfristigkeit) gehts dann nach Beijing, wo ich die Chinesische Mauer, die verbotene Stadt und das Registrierbuero fuer den Chinesischtest im Dezember besuche
China - Ein Jahr in 7800 Kilometern Ferne